Sozialhygiene, Trinkerfürsorge, Heimarbeitsforschung – Sozialmedizinische Ansätze vor 1933

Bereits im 19. Jahrhundert krankte Europa und so auch die deutsche Gesellschaft an den Folgen kapitalistischer Produktionsweise. Menschen verarmten massenweise und mussten unter den widrigsten Bedingungen ihr Dasein fristen. Und wie auch heute noch, bestand ein direkter Zusammenhang von finanzieller Lage und gesundheitlichem Zustand. Einige derjenigen, die diesem Umstand begegneten, die sich für präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten einsetzten und individuelles Leid gesellschaftlich begründet sahen, werden in dieser Sendung vorgestellt.

Über den Journalisten Hans Richard Fischer, der 1887 die Sozialreportage „Unter den Armen und Elenden Berlins“ verfasste, spricht Peter Graf, der diese Schrift 2019 im Verlag Walde+Graf neu aufgelegt hat.

Die Arbeitsmedizinerin Gine Elsner wiederum rekonstruiert drei verschüttete Biographien Frankfurter Ärzte und erinnert an das verschwundene Fach der Sozialhygiene – auditiv in dieser Sendung, visuell im Buch „Verfolgt, vertrieben und vergessen. Drei jüdische Sozialhygieniker aus Frankfurt am Main“.

Vorgestellt werden zudem in einem knappen Überblick die Suchtmediziner Ernst Joël und Fritz Fränkel. Über beide wird ausführlicher in Klaus Täuberts Veröffentlichung „‘Unbekannt verzogen…’ Der Lebensweg des Suchtmediziners, Psychologen und KPD-Gründungsmitgliedes Fritz Fränkel“ berichtet.

Im Anschluss gibt die Historikerin Eva Schöck-Quinteros Auskunft über die Arbeit und das Leben der Nationalökonomin Dora Benjamin, die sich bis zu ihrem Tod für die Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen engagierte und zeitweise mit den zuvor vorgestellten Ärzten Ernst Joël und Fritz Fränkel arbeitete. Über Dora Benjamin erschien im Band „Barrieren und Karrieren. Die Anfänge des Frauenstudiums in Deutschland“ ein Artikel von Eva Schöck-Quinteros.

Von Dora Benjamin, Ernst Joël und Fritz Fränkel sind uns heute, neben Schriftstücken, auch Photo-Aufnahmen erhalten – Dank Charlotte Joël, der Schwester von Ernst Joël, über die bisher kaum etwas bekannt ist. Friedrich Pfäfflin, der die Bilder im Buch „Das Werk der Photographin Charlotte Joël“ zusammenstellte, spricht über das Leben und Schaffen Charlotte Joëls.

Musikalisch mischt die Sendung über der Punksupermarkt aus Hamburg mit.

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