In Berlin mit Benjamin und seinen Nächsten

Ein vielseitiger Ausflug in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und ein Kennenlernen Walter Benjamins nächsten Umfelds:

Der Schriftsteller und Mitbetreiber des Brandenburgischen Literaturbüros Peter Walther hat sich der Zeit unmittelbar vor dem Nationalsozialismus in Deutschland eingehend gewidmet und ein Buch über diese Zeit geschrieben: „Fieber – Berlin 1930-33“. Im Gespräch erläutert er die Machart des Gesellschaftskrimis, der auf historischen Tatsachen beruht und blickt vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen mit dieser Zeit auf das aktuelle Kaltland.

Gerd-Rüdiger Erdmann begibt sich in seiner Schrift „Zwei Flaneure in Berlin“ auf die Spuren der Freunde Franz Hessel und Walter Benjamin. Herr Erdmann blickt im Interview spannenderweise aus seiner Perspektive als Psychiater auf den Literaten und den Philosophen, gibt Auskunft über das subversive Moment des Flanierens und stellt dar, inwifern die Flanerie auch Therapie sein kann.

Im Anschluss stellt Uwe-Karsten Heye, „Die Benjamins – eine deutsche Familie“ vor, insbesondere die Geschwister Walter, Georg und Dora Benjamin, die alle auf ihre Weise antifaschistisch aktiv waren – der älteste, Walter Benjamin, setzte sich vor allem geschichts- und gesellschaftsphilosophisch mit den Entwicklungen seiner Zeit und deren Vorlauf auseinander; Georg Benjamin war Mediziner und ab 1929 KPD-Abgeordneter in der Bezirksverordnetenversammlung Wedding; und die Jüngste, Dora Benjamin, war Nationalökonomin und bis zuletzt im sozialen Bereich aktiv, beschäftigte sich mit Suchtkranken und kriegstraumatiesierten Kindern. „Sie waren alle ihrer Zeit voraus“ urteilt Uwe-Karsten Heye, der im Interview auch auf deutsche Kontinuitäten wie Nationalismus und Antisemitismus eingeht.

Zuletzt ein ausführliches Gespräch mit Eva Weissweiler, die jüngst „Das Echo deiner Frage“, eine Biographie über Walter und Dora Benjamins Beziehung veröffentlichte. Vor allem spricht sie über die Schriftstellerin, Übersetzerin und Verlegerin, Geschäftsfrau in der Hotelbranche, Mutter und begeisterte Black-Bottom-Tänzerin Dora Benjamin – wie so oft in der Geschichtsschreibung verblasste auch in ihrem Fall die weibliche Figur neben dem männlichen Genie – Eva Weissweiler setzt diesem blinden Fleck etwas entgegen.

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